Chronik

Chronik des Löschzuges Altenkirchen

(erstellt anlässlich des 110-jährigen Bestehens im Jahre 2001)

Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr
110 Jahre Freiwillige Feuerwehr Altenkirchen: Das ist zunächst eine Zeitmarke. Bei näherem Hinsehen verbirgt sich hinter dem nüchternen Datum jedoch viel mehr als die Geburtstagsfeier einer Organisation wie viele andere. Zu viel verdankt die Bevölkerung ihrer " Freiwilligen", als dass man das Ergebnis einfach "abheften" oder gar übergehen dürfte.
Die Altenkirchener Feuerwehr blickt zurück auf fast ein Jahrhundert steter Dienstbereitschaft und opferbereiten Einsatzes. Dabei bezieht sich die Opferbereitschaft nicht nur auf Risiken für Gesundheit oder gar Leben, die mit retten, bergen, löschen, schützen" einfach verbunden sind, sondern im Alltag viel mehr noch auf Opfer im privaten Bereich, die oft von der Bürgerschaft nicht registriert werden.
Da sind die ständigen Übungen an Wochenenden, da müssen Kurse zur Weiterbildung und Ausbildung an modernen Geräten absolviert werden, da ist die Hilfsbereitschaft gegenüber vielen Vereinen und öffentlichen Einrichtungen, die ihre Veranstaltungen vielfach ohne die Dienste der gut organisierten und ausgestatteten örtlichen Feuerwehr nicht durchführen könnten. Insgesamt ist die Feuerwehr aus de Leben der Gemeinschaft einfach nicht mehr wegzudenken; sie ist unentbehrlich

Medaille mit Kehrseite
Die Kehrseite dieser Medaille, Freizeiteinbußen, Abwesenheit von der Familie und auch finanzielle Opfer kennen nur wenige, die in der Öffentlichkeit wenig darüber sprechen, denen viele aber zu großem Dank verpflichtet sind. Was den Männern der "Freiwilligen " und ihren Angehörigen bleibt, sind anerkennende Worte bei entsprechenden Anlässen. Mehr wollen die Feuerwehrleute nicht - aber das haben sie verdient. Gerade in Altenkirchen hat sich die Feuerwehr einen hervorragenden Ruf hinsichtlich Zuverlässigkeit erworben. Der ihre Ausstattung zur überörtlichen Stützpunktwehr vollauf rechtfertigt.
Eine Feuerwehr auf mehr oder weniger freiwilliger Basis hat es natürlich bereits vor 1891 in Altenkirchen gegeben. Eine Stadt umgeben von Mauern und Türmen, bedurfte des Brandschutzes, dem Element Feuer ausliefern wollte.

Bemühungen, den Brandschutz zeitgemäß zu organisieren, gehen auf das Jahr 1850 zurück. Einer Anregung der Bezirksregierung Koblenz, in ländlichen Bereichen Feuerwehren zu gründen, begegnete Bürgermeister Lietmann 1880 mit dem Hinweis nach einem halben Jahrhundert habe es nun zum ersten Mal wieder gebrannt. Eine Feuerwehr sei außerdem nicht unbedingt notwendig gewesen, weil die Bürger energisch zugegriffen hätten. Dabei blieb es vorerst.


Ein "Gebot der Zeit"
Im Zusammenhang mit dem Bau der Wasserleitung griff Lietzmann-Nachfolger Weber im "Kreisblatt" das Thema Feuerwehr auf und nannte 1887 die Bildung einer Wehr ein "Gebot der Zeit". Der Konsequenz, nämlich der Bereitstellung von tausend Mark für die Ausrüstung, ging der Stadtrat aus dem Wege. Man beschränkte sich auf die Absicht, einige Handwerker in der Bedienung der Feuerhähne ausbilden zu lassen.
Im Dezember 1890 jedoch bewilligten die Stadtväter 1200 Mark. Im Frühjahr 1891 stand die Wehr mit "51 Spritzenleuten und 25 Absperrmannschaften". Chef war Bürgermeister Weber, den Vorstand bildeten die Bürger Winter, Sturm, Schilbock, Trabert, Hehn, Gregorius, Eichelhardt und Dapperich.
Der aus Siegen nach Altenkirchen ausgeliehene Feuerwehr-Instrukteur erntete Undank. Bürgermeister Weber: "Ihre Ansicht, dass die hiesige Feuerwehrmänner sich Ihrer strengen Kontrolle nicht unterordnen wollen, ist zutreffend".


Auch mal gemütlich
Im Februar 1931 feierte die Altenkirchener Wehr ihr 40jähriges Bestehen in den geschmückten Räumen des "Westerwälder Hof im Zusammenhang mit der Generalversammlung. Wenigstens einmal im Jahr, so hieß es damals, wolle man eine Zusammenkunft der Gemütlichkeit widmen. Gleichwohl kam man erst später zum inoffiziellen Teil, denn zuvor wurde die dringende Notwendigkeit unterstrichen, eine Motorspritze anzuschaffen. Schon damals wurden die Übungen sonntags abgewickelt und zwar um sechs Uhr früh.
Als Kuriosum ist aus dieser Versammlung überliefert, dass ein Wehrmann zwangsläufig ausscheiden musste, weil für ihn die Uniformbeschaffung Schwierigkeiten machte. Offen bleibt, ob jener Aktive eine zu weite oder zu enge Taille hatte. Die Versammlung beschloss an diesem Tag auch eine großzügige Erleichterung für die Wehrleute: Wer bei einer Übung fehlte, brauchte künftig statt einer Mark nur noch 50 Pfennige abzuführen. Für notwendig hielt der damalige Brandmeister Flemmer den Hinweis, dass bei Bränden in der Stadt die Sirene mehrmals ertönt, während nur ein einziges Signal das Zeichen für einen Brand in der Nachbarschaft darstellte. Weiterhin ist bekannt, dass die Küche des Hauses an diesem Tag "restlos befriedigte" und erst nach der Geisterstunde der eine oder andere "still das Schlachtfeld räumte", während eine "größere Brandwache den Rest verwaltete." Man leerte ein Glas auf das Wohl der Wirtin, Frau Groß, und war erleichtert, nicht in enge Uniformen gezwängt zu sein.


Bittschrift an den" OB
Nicht immer gelängen der Feuerwehr ihre geselligen Veranstaltungen so gut wie der Brandschutz. Im Mai 1949 schrieb der stellvertretende Wehrführer an den "Herrn Ortsbürgermeister" von Altenkirchen, der Feuerwehr doch die Vergnügungssteuer für einen Ball zu erlassen, dessen Erlös eigentlich zur Beschaffung" der immer noch fehlenden Uniformstücke" dienen sollte. In der Kasse klingelten jedoch nach Abzug aller Unkosten (107 Mark Musik, drei Mark Verwaltungsgebühr und sechs Mark für Drucksachen) nur noch klägliche 126 Mark. Ob der Ortsbürgermeister dem Ersuchen nachkam, ist nicht überliefert.


Wo waren die Bürger
Ähnliche Sorgen hatte die Altenkirchener Wehr auch mit ihren Festlichkeiten zum 60jährigen Bestehen im Jahr 1951. Wider Erwarten, so berichtete damals die Zeitung sei die Feuerwehr von den Einwohnern der Kreisstadt im Stich gelassen worden, jenen also, die ihr Hab und Gut von der Wehr geschützt sehen möchten. Es wurde jedoch betont, dass das Fernbleiben der Bevölkerung die Feuerwehr nicht von ihrer freiwillig übernommenen Aufgabe abhalten werde. Ein Gruß kam 1951 aus Solingen - zur dortigen Wehr unterhielten die Altenkirchener seit Jahren freundschaftliche Beziehungen. Die befreundete Wehr erschien mit ihrer als "schneidig" apostrophierten Kapelle und setzte das Tongemälde "Die Waffenschmiede" in Szene. Wer als Zuhörer erschienen war, sparte nicht mit Beifall, doch konnte der damalige Berichterstatter nicht umhin, seine Eindrücke mit der Feststellung "Altenkirchens Bürger versagten diesmal" zu überschreiben.


Ab 1959 moderne Zeiten
Andererseits ging es mit der Feuerwehr in erfreulicher Weise aufwärts. Der 17. Oktober 1959 ging als der Tag des Endes der Provisorien in ihre Annalen ein. Gemeint ist die Übergabe des Feuerwehrhauses im Weyerdamm. Zum freudigen Ereignis gesellte sich mit der Ankunft eines Kleinbusses eine weitere Verstärkung der Wehr. Dieser Bus setzte die Feuerwehr in die Lage mit einem Vorkommando in schnellster Zeit an einer Brandstelle zu sein oder Brände zu bekämpfen, die nicht den Einsatz der gesamten Wehr erfordern.

Amtsbürgermeister Dr. Haas sah in der langen Verzögerung des Neubaus auch einen positiven Aspekt. Hätte man nämlich gleich nach dem Krieg gebaut, so meinte er weise, wäre der Bau sicher nicht so großzügig ausgefallen, Großzügig, das waren eine geräumige Halle mit Toren nach zwei Seiten, Werkstatt- und Geräteraum, Schlauchwäsche im Keller mit Verbindung zum Turm, in den sie zum Trocknen hochgezogen werden konnten und ein Wohnhaus-Anbau für den ehrenamtlich als Betreuer tätigen Feuerwehrmann sowie zwei Räume für Schulungszwecke. Wenn erst das Tanklöschfahrzeug einmal da sei, so meinte man damals optimistisch, sei wohl hinsichtlich der Ausstattung mit Fahrzeugen und Gerät kein Wunsch mehr offen.


Erstes Tanklöschfahrzeug
Das Tanklöschfahrzeug - seinerzeit eine Umwälzung in der Brandbekämpfung - traf im Juli 1960 in Altenkirchen ein. Es konnte mit 2400 Liter Wasser unmittelbar nach Eintreffen am Brandort mit dem Löscheinsatz beginnen, war also unabhängig von Wasserleitungen, Bachläufen oder Teichen. Das damit jedoch die Geräteausstattung der Altenkirchener Wehr erst ihren Anfang genommen hatte, konnte wohl seinerzeit noch keiner voraussehen. Zusätzliche Aufgaben und die Entwicklung der Bausubstanz machten neue, kompliziertere und teuere Geräte erforderlich, die nicht mehr jeder Wehr zur Verfügung gestellt werden konnten. Altenkirchen wurde Schwerpunktwehr mit überörtlicher Bedeutung und erhielt mit August 1976 einen üRstwagen im Wert von 250.000,- DM und ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug mit 800-Liter-Spritze. Der Löschzug I Altenkirchen hatte damals 45 Aktive, die Verbandsgemeindewehr konnte auf 120 Mann zurückgreifen.

Im Oktober des gleichen Jahres kam der nächste "dicke Brocken" in Gestalt einer Drehleiter, die bis auf eine Höhe von 30 Meter ausgefahren werden kann. Mit Recht konnte man sagen, die Altenkirchener Wehr sei innerhalb weniger Wochen um runde 600.000 DM "reicher" geworden. Mit den neuen Fahrzeugen stellte sich seinerzeit dringend die Frage nach deren Unterbringung, die inzwischen nach einer provisorischen Lösung durch eine Erweiterung des Feuerwehrhauses zufriedenstellend beantwortet ist.

Weitere Errungenschaften folgten, im Jahre 1980 kam ein Tanklöschfahrzeug TLF 24/50 das einen Tank von 5000 Liter hat. 1981 kam ein SW 1000 (Schlauchwagen mit 1000 m Schlauch) und 1986 ein MTW-P (Mannschaftstransportwagen mit Pritsche). Als jüngste Errungenschaft kam 1995 ein TLF 16/25 auf MAN und zwischendrin noch der JUPP.


Ein Buch zu schreiben
Es ist sicher nicht müßig, alle Einsätze der Altenkirchener Wehr zu berichten, doch wäre dann sicher ein dickes Buch zu schreiben, in dem Tragödien und Kuriositäten eine bunte Vielfalt darstellen würden. Ein großes Kapitel füllten sicher die Brände in landwirtschaftlichen Anwesen, die wegen ihrer blitzartigen Ausbreitung gefürchtet waren und es eigentlich immer noch sind. Breiten Raum nähmen sicher auch spektakuläre Großbrände ein, wie etwa der Großbrand 1959 bei Möbel-Meyer in Hachenburg, ein verheerendes Feuer 1967 bei Krages in Etzbach und nicht zu vergessen die Feuersbrunst in der Altenkirchener Walzenmühle anno 1959. Damals sprach man von der größten Brandkatastrophe seit 1893 und wieder war ein ganzes Stadtviertel gefährdet. Anders als damals gab es aber in Altenkirchen eine funktionierende Feuerwehr, die zusammen mit Nachbarwehren die große Gefahr bannte und sich höchstes Lob verdiente.


Auch zu Bienen gerufen
Die Feuerwehr Altenkirchen wurde 1959 auch beispielsweise zum Brand eines Bienenhauses gerufen, sie musste 1964 in Neitersen glühenden Stahl eindämmen und zwei Jahre später sogar gegen ihren größten Helfer antreten: das Wasser. Nach starken Regenfällen stand der Kreisstadt das nasse Element buchstäblich bis zu Hals und die Feuerwehrleute waren willkommene Helfer und Retter. Noch vor wenigen Wochen wurde der Bevölkerung von Altenkirchen und Umgebung bei einem ähnlichen Ergebnis klar, was sie bei katastrophalen Ergebnissen an ihrer Feuerwehr hat - oder was sie ohne die Freiwilligen in der schwarzen Uniform an schneller Hilfe zu erwarten hätte.
Das Bild der Feuerwehr hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Wurde vor hundert Jahren noch deren Notwendigkeit überhaupt heiß umstritten, so genießt sie heute einen durch eigene Leistung erworbenen untadeligen Ruf. Besonders die Freiwilligkeit ihres Einsatzes gilt viel in einer Zeit der Egoismen und kann Beispiel sein.


Immer hilfsbedürftiger
Hinzu kommt, dass eine immer komplizierter und damit auch anfälliger werdende Zivilisation eine organisierte Brandbekämpfung und Hilfe in vielen "Lebenslagen" mehr braucht denn je. Zusätzliche Gefahren entstehen jeden Tag - mit jedem Öltank, mit jedem neu zugelassenen Fahrzeug auf der Straße. Gerade Verkehrsunfälle zeigen ein dringlich, wie notwendig die ständige Einsatzbereitschaft der Feuerwehr ist.

Bei all dem ist das Hauptanliegen der Feuerwehr - Schaden verhüten oder zumindest vermindern - bisweilen kaum auf Anhieb sichtbar. Die Wehr wird eben nur dann gerufen, "wenn es brennt". Was sie jedoch tatsächlich an Menschenleben schützt und wie viele Werte sie vor Schaden bewahrt, zeigen Statistiken nur unvollkommen.